Schaffhauser Nachrichten und Bote vom Untersee und Rhein
4. November 2023
«Melody» Premiere mit grosser Wirkung
Das Familienkonzert in der Stadtkirche Stein am Rhein vom vergangenen Samstag war ein Volltreffer. er ungewöhnliche Konzertbeginn am Samstagmorgen um 10.30 Uhr war stark gefragt. Das Anliegen der Stiftung «Melody Factory» greift.

Die Premiere des Konzertprogramms «Melody» für Kinder und Jugendliche mit dem Ziel Klassik zu vermitteln, ist geglückt.
Am Samstagmorgen ist vor der Stadtkirche viel fröhliches Kindergeschrei zu hören, betreut von Eltern, Grosseltern und weiteren durchwegs heiter gestimmten Leuten. Alle auf dem Weg zur Stadtkirche. Entscheidender Unterschied: kein Gottesdienst. Es ist der Auftakt zur musikalischen Reise von «Melody», die Premiere eines Konzertprogramms für Kinder und Jugendliche mit dem Ziel Klassik zu vermitteln und das Feuer dafür zu entfachen. Sponsor ist die «Fondation for youth and music – Melody Factory». Der ungewöhnliche Konzertbeginn am Samstagmorgen um 10.30 Uhr ist stark gefragt. Das Anliegen der Stiftung «Melody Factory» greift. Die Menschen nehmen das musikalische Geschenk mit Jubel, Begeisterung und Dankbarkeit an.
Schon das Bühnenbild im Chor der Kirche mit den Lichtinstallationen, den Screens, dem Flügel und den goldenen «Happy Birthday»-Buchstaben, den Sitzkissen für die Kleinsten ergibt eine interessante Kombination. Sopranistin Mélanie Adami baut nicht nur singend, sondern auch erzählend feurig bis leise eine spannende Atmosphäre auf. Sie hat das Programm ausgearbeitet in Zusammenarbeit mit Pianist Benjamin Engeli, Rahel Cunz (Violine), Andrea Sutter (Cello) sowie Carmen Marieni Gomez. Mit der Peer-Gynt-Suite Morgenstimmung beginnt das «Melodie-Päckli-Auspacken» mit Ballonen. «Meine beste Freundin Melody hat heute Geburtstag und wir schenken ihr einen riesigen Strauss Ballone, gefüllt mit Musik», erklärt Sopranistin Adami und stellt sich vor mit Solveig’s Song, ein Lied zwischen traurig und fröhlich.
Im Dialog mit den Kindern
Und dann offenbaren Pianist Benjamin Engeli (Piano), Rahel Cunz (Violine), Andrea Sutter (Cello) solo und im Wechsel den ganzen Reichtum der Musik und Klangmöglichkeiten der einzel- nen Instrumente. Beim «Zug der Zwerge» löst Pianist Engeli mit einem «Ui, jetzt ist der letzte» spontanen Applaus aus. Erzählt wird vom verbrannten Kuchen. «Könnt ihr lachen wie eine Hexe?», wird gefragt, begleitet mit entsprechenden Tönen. Immer wieder «Happy Birthday». Der Dialog mit den Kindern funktioniert hervorragend. Über Screens wird bildhaft die Melodie ergänzt. Und dann spielen alle zusammen. Hier wird Klassik höchst unterschiedlich definiert – von Moldau (Smetana) über Robert Schumann «In der Nacht», Libertango bis zum Gondellied Barcaole. Ein bisschen Drama ist auch dabei. Übers Handy wird mitgeteilt, dass das Geburtstagskind Melody nicht kommt, weil der Heissluftballon in einen Sturm geraten ist. «Die chönnts doch s Auto neh», rufen Kinder. Höhepunkt reiht sich an Höhepunkt. Neben der wunderschönen Musik und ebensolchen Gesang, unterbrochen durch kleine Erzählungen, entscheidet letztlich die Präsenz, ob Kinder 50 Minuten in Atem gehalten werden können. Das hat funktioniert und die Kleinsten wirbelten dazwischen Luftschlangen – die zu Beginn ausgepustet wurden – auf die Bühne. Das Ensemble – und damit speziell auch die Stiftung Melody Factory können ganz schön stolz sein auf das Erreichte. Sie haben die grosse Herausforderung mit Bravour bestanden und können nun auf Tournee gehen. Denn die Nachwuchsförderung ist für die Gesellschaft von grosser Wichtigkeit.
Begeisterter Jubel und rhythmisches Klatschen
Die Premiere wurde wirklich ein Erfolg, da hat einfach alles, so wie es zusammengestellt war, gestimmt. Zum Schluss steigen Ballone in den Himmel vor der Kirche. Das zeigte sich auch nach dem Konzert. Ein Mädchen aus Winterthur versucht auf der Strasse eine Koloratur, die schnelle Abfolge von Tönen, zu üben. Anderen blieben die Screens-Bilder besonders haften. Die Meinungen, welches Instrument das Schönste sei, waren so unterschiedlich wie das Publikum. «Dann halt singen», erklären Kids und schauen ihren davonfliegenden Ballonen nach. Sie sagen: «Hoffentlich gewinnen wir eine Heissluftballonfahrt». Der Geist gesunde, wenn man sich der Musik widme, betont ein älteres Ehepaar und lobt das Engagement der Stiftung. Und dann ist da noch das grosse Lob von René Messmer, Ehrendirigent der Jugendmusik Kreuzlingen: «Grossartig, wie diese Profis die musikalische Auswahl getroffen haben. Klassik gut rüberbringen, verbunden mit der Geschichte des Mädchens Melody, kind- gerecht und die Spannung und Ruhe zu halten, obwohl so viele ‹Gofen› im Publikum waren, das ist eine grosse Leistung». Und dann fügt Messmer noch an: «Musik fördert die Intelligenz», und überreicht die Festschrift «Sternstunden und Höhenflüge». Rundum wird dem Geschäftsführer auf die Schulter geklopft und gedankt, dafür, dass die Premiere mit solch berühmten Künstlern in Stein am Rhein war. Er wird den Dank an die anonym bleiben wollende Mäzenin weitergeben.
